„Ich bin der Jakob aus deinem Beitrag“

Mehr stand da nicht.

Ich hab seit 2019 viele Nachrichten bekommen von Männern die mir geschrieben haben dass sie Jakob kennen.

Der hier hat mir geschrieben dass er Jakob ist.

Das war neu.


Seit zwei Jahren kam Jakob jeden Dienstag um 16 Uhr. Er setzt sich immer auf den selben Platz. Zog immer die Schuhe aus und nahm sich immer den selben Kaffee.

Seine Frau hat es ihm geraten. Sie hat ein Podcast gehört „Männer reden zu wenig.“ Das ist das Problem mit euch.

Also redete er.

Seit 2 Jahren jeden Dienstag mit seinem Therapeut.
Es fehlte ihm an nichts. Er hatte Geld, die Kinder waren gesund seine Frau hat ihm zum Geburtstag sogar ein Bild gemalt und die Firma lief ohne ihn und trotzdem hatte er diese innere Leere.

Sie holten seine ganze Kindheit auf und er erzählte alles über sich was es zu erzählen gab. Über seine Mutter, seinen Vater, der Hund der mit 11 gestorben ist. „ich ich ich“

Zwei Jahre lang erzählte er alles über sich und erkannte nun auch dass er wohl wirklich Probleme hat. Er kannte sie mittlerweile sogar Auswendig und war wie verwurzelt mit ihnen. Das reden hat ihm anscheinend wirklich geholfen sein Leid zu erkennen.

Der Therapeut nickte und schrieb alles mit. Am Ende gab es die Rechnung.


Dann Anfang Oktober blieb er auf dem Handy an einem Beitrag hängen den er zufällig gesehen hat.

„Jakobs Story“ – Januar 20, 2019

Er lies weiter weil er den selben Namen hatte. Er hörte nicht auf zu lesen weil er sich selbst wieder erkannt hat.

Bier in der Hand. Wampe. Ausreden.

Der einzige Unterschied war dass ihn in der Story niemand fragte wie sich das anfühlt und dass er mehr darüber reden sollte.

In der Story gab es nur einen Ort und eine Uhrzeit. Eine Uhrzeit zu der der Jakob aus 2019 nicht gekommen war.

In der selben Nacht wo er die Story gelesen hat hat er mir noch geschrieben.
„Ich brauche einen Ort und eine Uhrzeit.“


Die Vorgeschichte: Jakobs Story (Januar 2019)